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22.05.2012

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Wirtschaft
USA verklagen Schweizer Bank Wegelin wegen Steuerhinterziehung
Verdacht auf Steuerhinterziehung

USA verklagen Schweizer Bank Wegelin

Erstmals haben die USA eine Bank aus Übersee wegen Steuerhinterziehung verklagt. Die Staatsanwaltschaft in Manhattan wirft der Schweizer Bank Wegelin vor, reichen Amerikanern geholfen zu haben, mindestens 1,2 Milliarden Dollar vor der Steuer zu verstecken.

Wegelin-Hauptsitz in St. Gallen (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Wegelin-Hauptsitz in St. Gallen ]
Involviert in den Fall ist auch die UBS. Die US-Regierung beschlagnahmte bei der Schweizer Großbank 16 Millionen Dollar, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Unterlagen der Regierung. Da Wegelin außerhalb der Schweiz keine Filialen betrieb, nutzte sie die Dienste anderer Institute. Weder die UBS noch Wegelin wollten eine Stellungnahme abgeben.

Es war auch die größte Schweizer Bank, die den Steuerstreit ins Rollen brachte. 2007 leiteten die USA eine Untersuchung gegen die UBS wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung ein. Das Verfahren, in das sich dann auch die Schweizer Regierung einschalten musste, endete damit, dass die UBS 780 Millionen Dollar Strafe zahlte und mit dem Segen der Schweizer Behörden die Namen von 4400 US-Kunden herausgab. Andere Schweizer Banken, darunter Wegelin, boten den Kunden Zuflucht an. Neben Wegelin stehen gegenwärtig zehn weitere Schweizer Banken, darunter Credit Suisse und Julius Bär, im Visier der US-Behörden. Mit der Anklage Wegelins steigt auch der Druck auf diese Institute.

"Kapitalflucht geschieht in Notwehr"

Mit wenig mehr als 20 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen ist das Geldinstitut aus St. Gallen im internationalen Maßstab vergleichsweise klein und nicht systemrelevant. Wegelin ist als Partnerschaft organisiert, die acht Partner mit dem Bankier Konrad Hummler an der Spitze haften mit ihrem gesamten Vermögen. Was die Amerikaner provoziert haben dürfte, sind Hummlers kritische Aussagen zu Amerika und seine öffentliche Rechtfertigung von Steuerhinterziehung mit Sätzen wie "Kapitalflucht geschieht in Notwehr".

Für Wegelin hatte der Steuerstreit schon vor der Klage Konsequenzen. Die Bank entschloss sich wegen eines drohenden Abzugs von Kapital durch Kunden in der vergangenen Woche zu einem Notverkauf an die Raiffeisen-Gruppe. Einzig das kleine US-Geschäft bleibt bei den bisherigen Teilhabern. Die existenzbedrohende Lage infolge der rechtlichen Auseinandersetzung mit den US-Behörden zwinge die Teilhaber zu diesem Schritt, erklärte Hummler. Mit dem Verkauf schützt Wegelin das Kerngeschäft mit vermögenden Kunden in der Schweiz und in europäischen Ländern. Klagen können die Existenz einer Bank bedrohen, da Geschäftspartner und Kunden abspringen.

Stand: 03.02.2012 14:34 Uhr
 

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