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Heute vor 50 Jahren erließ US-Präsident John F. Kennedy ein umfassendes Embargo gegen das sozialistische Kuba. Die Entscheidung war geprägt von der Ost-West-Konfrontation und sollte der Revolution unter Führung von Fidel Castro ein schnelles Ende bereiten. Auch nach Ende des Kalten Krieges hat Washington das Embargo nicht aufgehoben. Denn insbesondere exil-kubanische Gruppen lehnen jede Aufweichung ab.
Von Martin Polansky, ARD-Studio Mexiko-Stadt
[Bildunterschrift: Nach der missglückten Invasion in der Schweinebucht setzten die USA auf ein Embargo - Castro-Soldaten im April 1961 (Archivbild) ]
El bloqueo - das Embargo: Längst gehört es zum kubanischen Mythos. Die kleine karibische Insel, die sich dagegen wehrt, vom großen Nachbarn in die Knie gezwungen zu werden. Vielfach besungen wurde die Blockade auch von kubanischen Liedermachern - wie zum Beispiel Carlos Puebla.
Am 3. Februar 1962 erließ US-Präsident John F. Kennedy das komplette Handelsembargo gegen Kuba. Vier Tage später trat es in Kraft. Das Ziel: Die Insel sollte nach der kubanischen Revolution und den Enteignungen von US-Unternehmen isoliert werden. Dem linken Umsturz 90 Meilen vor der US-Küste wollte Kennedy so schnell wie möglich ein Ende bereiten.
Aber Revolutionsführer Fidel Castro wandte sich nun erst recht einen anderen Großmacht zu: "Alleine, ganz auf uns gestellt, hätten wir das Embargo und die Aggressionen des Imperialismus nicht bezwingen können. Deshalb sprechen wir Dank und Anerkennung aus dem verbrüderten und heldenhaften Volk der Sowjetunion."
Seitdem ist viel geschehen. Die Sowjetunion gibt es längst nicht mehr. Der kalte Krieg ist eigentlich beendet. Und im Weißen Haus sitzt inzwischen der neunte Präsident seit Kennedy. Aber das Embargo gegen Kuba gilt weiter. Präsident Barack Obama hat es zwar leicht gelockert, insbesondere für Exil-Kubaner - aber seine möglichen republikanischen Gegenkandidaten Mitt Romney und Newt Gingrich versprechen schon wieder die ganz harte Kante gegen Kuba.
[Bildunterschrift: Newt Gingrich (re.) und Mitt Romney werben mit Anti-Castro-Sprüchen um Exil-Kubaner. ]
"Unsere Politik muss sich aggressiv dafür einsetzen, das Regime zu stürzen", polterte Gingrich in Florida. "Als Präsident würde ich keine weiteren vier Jahre dieser Diktatur dulden und alle Mittel einsetzen, auch verdeckte Aktionen, um die Chancen für die Freiheit in Kuba zu erhöhen."
Ganz ähnlich äußerte sich Romney mit Blick auf die exil-kubanischen Wähler: "Es ist an der Zeit, für die Freiheit Kubas zu kämpfen und nicht wie Obama Geschenke zu verteilen und der Wirtschaft Kubas zu helfen. Ich als Präsident werde mich dafür einsetzen, dass unser Embargo hart durchgezogen wird und Castro keine Geschenke bekommt."
Die USA sind weltweit beinah komplett isoliert mit ihrem Embargo. Aber welch bizarre Blüten das immer noch treibt, wurde erst im letzten Jahr klar. Da sperrte der Online-Bezahlservice Paypal einige Konten deutscher Spirituosenhändler. Denn die hatten kubanischen Rum in ihrem Online-Shop. Nach Angaben eines Händlers hat Paypal nach einem Vergleich das Konto nun wieder freigeschaltet. Kubanischen Rum könne man damit aber immer noch nicht bezahlen.
Und die Kubaner selbst reiben sich vielfach die Augen: "Warum hat eine solche Großmacht Angst davor, dass Kuba mit allen Ländern freien Handel betreibt? Weil sie nicht wollen, dass unser System überlebt." Und eine ältere Dame sagt: "Es ist schwierig, wir spüren dass Embargo überall. Wenn jemand Familie im Ausland hat, hilft das. Aber sonst ist es wirklich nicht einfach."
Kubas Regierung bezifferte den Schaden kürzlich auf 975 Milliarden US-Dollar - aber wer kann das schon so genau ausrechnen? Und manche auf der Insel beklagen, dass die Blockade gerne auch mal für selbstgemachte Missstände herangezogen werde. Wenn der Fahrstuhl nicht funktioniert, wenn kein Bus fährt, sei eben das Embargo schuld. Und das, obwohl Kuba seine Wirtschaftsbeziehungen längst verlagert hat, etwa in Richtung Venezuela oder China.
Ihr Ziel hat die Blockade allerdings auch nach 50 Jahren verfehlt: Die Castros wurden nicht gestürzt - und auch die alten Lieder, die den kubanischen Mythos besingen, leben weiter.
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