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18.05.2012

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Ausland
Brasiliens neues Selbstbewusstsein
Wirtschafliche Stärke und Führungsanspruch

Brasiliens neues Selbstbewusstsein

Für Brasiliens Präsidentin Rousseff liegt es klar auf der Hand: Dank eines starken Wirtschaftswachstums hat ihr Land in den vergangenen Jahren an Gewicht gewonnen und ist mindestens Regionalmacht in Südamerika. Das Selbstbewusstsein ist so stark, dass sie den USA die Stirn bietet und auch auf der Weltbühne mehr mitreden will.

Von Julio Segador, ARD-Hörfunkkorrespondent Südamerika

Dilma Rousseff und Lula da Silva (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Dilma Rousseff hat vom populären Lula da Silva das Amt übernommen. ]
Im eigenen Land hat sich die brasilianische Staatspräsidentin Dilma Rousseff binnen weniger Monate vom Schatten ihres vermeintlich übermächtigen Vorgängers im Amt Lula da Silva gelöst. Rekord-Sympathiewerte bei der Bevölkerung und der große Respekt, der ihr entgegengebracht wird, sind ein deutlicher Beleg dafür.

Und auch außerhalb der eigenen Grenzen nimmt die 61-Jährige Staatschefin des größten südamerikanischen Landes eine immer wichtigere Position ein. Dass sie bei ihrem Staatsbesuch auf Kuba zur Menschenrechtslage in dem Land nichts sagen wollte, zeigt den selbstbewussten, emanzipierten Kurs, den Rousseff eingeschlagen hat. Wenn man über Kuba spreche, müsse man auch über die US-Auffassung von Menschenrechten sprechen. "Schließlich gibt es da eine Militärbasis namens Guantanamo", sagte sie. Sie rede lieber über andere Dinge, die wichtiger seien.

Audio: Brasilien? Die Führungsnation in Lateinamerika

AudioJulio Segador, ARD-Hörfunkstudio Buenos Aires 05.02.2012 13:01 | 3'37
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Für Felipe Ramos, der an der Universität in Salvador da Bahía das Institut für lateinamerikanische Integration leitet, ist diese Haltung klar durchdacht und taktisch begründet: "Was die Aussagen zu den Menschenrechten angeht, wollte die Präsidentin eine unabhängige Position gegenüber der US-Regierung zeigen." Das sei als Hinweis auf das eigene Gewicht als regionaler Führer zu verstehen. Überhaupt sei der Besuch eine Reise mit ökonomischen Interessen gewesen, resümiert Ramos.

Wirtschaft ist Basis für Führungsanspruch

Eine florierende Wirtschaft mit kräftigem Wachstum war in den vergangenen Jahren die Basis auch für den politischen Aufschwung der Brasilianer. Das Land, das noch vor zwei Jahrzehnten Hyperinflation verzeichnete und mit den Folgen einer Diktatur zu kämpfen hatte, ist nun als Investor im krisengebeutelten Europa gefragt. Eine wirtschaftliche Stärke, mit der die Staatspräsidentin selbstbewusst umgeht: "In dem Jahr, in dem praktisch alle anderen Länder der Welt Arbeitsplätze verloren haben, haben wir mehr als zwei Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. In einem Jahr, in dem die großen Weltmächte stagnieren oder sogar eine Rezession haben, werden wir ein gutes Wachstum hinlegen."

Die wirtschaftliche Stärke hat Brasilien unangefochten zur Führungsnation in Lateinamerika aufsteigen lassen. Frühere Konkurrenten wie etwa Argentinien oder Mexiko versuchen, politische Positionen mit Brasilien abzustimmen, um so die Durchschlagskraft zu erhöhen. Im Gegenzug ist das Land aber auch bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Rousseffs Vorgänger da Silva etwa sagte zu, die Blauhelmmission in Haiti zu leiten.

Wunsch nach Sitz im UN-Sicherheitsrat

Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff Anfang Februar beim Besuch der UN-Truppen ihres Landes in Haiti (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Brasiliens Staatspräsidentin Roussef will für ihr Land einen Sitz im neuen UN-Sicherheitsrat ]
Das Ziel der Regierung in Brasília ist nun, das größere Gewicht Brasiliens innerhalb der Weltgemeinschaft auch institutionell zu verankern, etwa im künftigen UN-Sicherheitsrat. Beim Staatsbesuch von Barack Obama im vergangenen Jahr verzichtete Dilma Rousseff auf jegliche diplomatische Zurückhaltung und präsentierte dem US-Präsidenten offen ihre Forderung: "Es kann keinen reformierten UN-Sicherheitsrat geben, ohne dass einige wichtige Länder mit dabei sind. Etwa Indien und Brasilien. Länder mit einer großen Bevölkerungszahl, mit kontinentalen Ausmaßen und die heute als große aufstrebende Mächte der Welt angesehen werden. Es ist nicht hinzunehmen, dass nach einer Reform der Vereinten Nationen, Brasilien nicht dabei wäre."

Stand: 05.02.2012 12:53 Uhr
 

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